„Oh nein,

ich kann mich nicht an ihren Namen erinnern. Wie heisst sie denn? Scheibenkleister, sie hat mich gesehen und kommt auf mich zu. War es …Christine…Sabine? Vorgestern wurden wir uns vorgestellt. Was ist los mit mir? Das wird peinlich!“

So und ähnlich laufen manche Monologe im Kopf ab. Aus dem Nichts tauchen sie auf. Wir haben zwischen 40.000 und 60.000 Gedanken am Tag.

Wie viel von dem was wir denken ist wahr, wichtig und notwendig?

Wenn wir uns Zeit nehmen, einen Schritt zurücktreten, die Kommentare und Gedanken analysieren, um sie besser kennenzulernen, dann stellen wir fest, dass wir die Tendenz haben, unsere eigenen Mono- und Dialoge allzu ernst zu nehmen.

Während der Autofahrt hören wir Dinge wie:

„Sollte ich nicht Thomas anrufen? Das hätte ich doch machen sollen. Ich kann nicht glauben, dass ich das vergessen habe. Er wird verärgert sein. Richtig verärgert sein. Vielleicht sollte ich anhalten und ihn jetzt gleich anrufen. Nein, ich will jetzt nicht anhalten…“

Die Kommentare oder spontanen Gedanken nehmen keine Rücksicht. Hauptsache ist, sie können sich manifestieren. Wir sind müde und liegen im Bett:

„Was mach‘ ich nur, ich bin müde aber kann nicht einschlafen. Ich wollte Thomas anrufen. Ich erinnerte mich im Auto, aber habe ihn nicht angerufen. Ich rufe ihn jetzt an, oh nein es ist zu spät. Ich muss schlafen, aber bin gar nicht mehr müde. Ich habe einen wichtigen Tag morgen…“

Wir sind nicht unsere Gedanken.

Wenn wir die Augen schliessen und versuchen, eine Minute nichts zu denken, dann schwatzen sie uns erst recht voll, die Gedanken. Es spielt keine Rolle, ob die Kommentare im Kopf uns positiv oder negativ berieseln. Sie blockieren Energie, aktivieren Endorphine und sind oft überflüssig.

Es gibt einen Weg, sich zu distanzieren, nämlich aufzuhören, über die automatischen Gedanken zu reflektieren.
Wir sind nicht unsere Gedanken, denn ich bin derjenige, der die Gedanken beobachtet, bewertet und analysiert.

Finde das Ich in dir, das die Gedanken beobachtet und eine fantastische Reise zu dir selbst kann beginnen.

Stellen Sie sich vor, Sie betrachten drei Objekte: Einen Blumenstrauch, eine Fotografie und ein Buch – und werden dann gefragt:

„Welches der Objekte sind Sie?“

Sie sagen: „Keines, ich bin derjenige, der die Objekte betrachtet.“

Das gleiche gilt für die Gedanken im Hirn. Egal was die Gedanken „ sagen“, wir können sie einfach als Gedanken definieren und loslassen.

Für meine Entwicklung war es wichtig und richtig, zu erkennen, dass ich nicht meine Gedanken in meinem Kopf bin – ich bin lediglich derjenige, der sie wahrnimmt. Als ich dies verstanden hatte, hörte ich auf, mich durch meine Gedanken zu definieren.

Gedanken fliessen wie das Wasser im Fluss, sie fliessen vorbei. Einer kommt nach dem anderen und lässt man sie los, verschwinden sie ins Nichts.

Wenn wir jeden Gedanken, unsere interne Realität, als uns betrachten, dann werden wir zum Sklaven der Gedanken und verlieren uns in Aktivität.

Das meiste, was unsere Gedanken uns mitteilen, ist unnütz und eine Verschwendung von Zeit und Energie. Sitzen wir am Abend auf der Couch und entscheiden, ob die Sonne morgen aufgehen soll?

Wir können denken, was wir wollen; das Leben nimmt darauf wenig Rücksicht.

Die meisten unserer Gedanken haben nur Einfluss auf uns selbst.

Wenn dem so ist, warum existieren diese automatischen Gedanken?

Ihr Geheimnis liegt in unserem Verstehen, warum sie uns was und wann mitteilen.

Die Gedanken sind vergleichbar mit einem Dampfkochtopf, wenn das Wasser kocht, dann pfeift er und lässt Dampf ab. Unsere Gedanken sind Energie, die durch den Einfluss von aussen entstehen und dann Dampf ablassen müssen. Das ist am einfachsten zu erkennen, wenn uns jemand ärgert. Wie oft spielen wir in Gedanken durch, wie wir ihr/ihm unsere Meinung sagen…

Die automatischen Gedanken bestimmen unser Verhalten, wenn wir nicht achtsam genug sind, sie zu hinterfragen. Selbst wenn wir die Strasse entlang gehen:

„Schau den Hund an. Ein Golden Retriever. Oh, da ist noch ein Hund in dem geparkten Auto. Sieht aus wie der Hund meines Nachbarn. Wow, ein alter Porsche, die sieht man nicht mehr so oft…“

Wir erzählen uns, was wir sehen. Warum tun wir das? Was hilft es uns, dass wir was wir sehen mental wiederholen?

Dies liegt am Unterschied zwischen der Aussenwelt und unserer mentalen Welt. Denn in unserer inneren Welt haben wir Kontrolle. Das gibt uns Sicherheit. Die Dinge, die wir mit uns selbst diskutieren, sind jene, die uns wichtig erscheinen.

Unser Bewusstsein erfährt nur unser kreiertes Modell der Wirklichkeit, unsere Interpretation und unsere Sicht der Dinge. Die Realität ist jedoch neutral. Unsere innere Landkarte ist es nicht.

In der Realität entwickelt sich ein Grossteil des Lebens ausserhalb unserer Kontrolle.

Aufmerksam beobachtet, erkennen wir, dass wir andauernd denken, bewerten, beurteilen. Wir spazieren durch den Wald im Winter, wir frösteln und wir denken:

Es ist kalt.“

Was hilft uns das? Wir wissen bereits, dass es kalt ist. Wir fühlen die Kälte. Warum denken wir es zusätzlich?

Wir kreieren die Welt in uns mit unserem Geist, weil wir unseren Geist kontrollieren können, aber nicht die Welt um uns herum. Wenn die Welt nicht so ist, wie wir sie wollen, dann verbalisieren wir sie intern, bewerten sie, beschweren uns und entscheiden dann, was wir als nächstes tun, um uns besser zu fühlen.

Wenn der Körper im Wald die Kälte fühlt, steht es nicht in unserer Macht, die Aussentemperatur zu ändern. Wir können jedoch denken:

in ein paar Minuten sind wir Zuhause.

In unseren Gedanken gibt es immer etwas zu denken, damit wir uns besser fühlen.

Dies, weil wir nicht wirklich wissen, was als nächstes passiert und unser Geist will uns helfen, damit umzugehen.

Es gibt uns ein Gefühl der Sicherheit, das unachtsame Denken und Bewerten. Solange wir dies tun, sind wir mit uns selbst beschäftigt und kapseln uns von der Welt ab, anstatt das Leben zu leben und nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Umwelt und unser Umfeld mit der Achtsamkeit des Moments wahrzunehmen.

Und:

Die Welt entwickelt sich weiter auch ohne unsere Gedanken. Sie war lange vor uns da und wird noch lange nach uns da sein. Durch Gedankenüberfluss und fehlende Achtsamkeit sehen wir die tatsächliche Realität nicht oder nur bedingt.

Persönliche Entwicklung und eigenes Wachstum wird erreicht, wenn wir die Gedanken hinterfragen oder einfach, zumindest die negativen, mit heiterer Gelassenheit loslassen und auf den nächsten warten. Der kommt bestimmt.

Unsere Freiheit liegt zwischen dem Reiz und der Aktion, zwischen dem Gedanken und dem, was wir bewusst entscheiden zu tun.

Das funktioniert jedoch nur, wenn wir uns daran erinnern, dass wir nicht unsere Gedanken sind, sondern da sind, sie zu beobachten und dann die Verantwortung für uns übernehmen.

Durch die Beobachtung der Gedanken gewinnen wir Distanz. Damit werden die automatischen Gedanken weniger wichtig, der Geist wird weiser und unsere Achtsamkeit wächst. Die Türe zur Achtsamkeit mit sich selbst öffnet sich. Hindurchgehen muss man selber.

Finde das Ich in dir, das die Gedanken beobachtet und eine fantastische Reise zu dir selbst kann beginnen.

Inspiriert durch Michael A. Singer; „The Untethered Soul“
Photo: Brandon Kidwell

 

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